Borkenkäfer-Statistik in Franken & Bayern Schadflächen und Befall im Überblick 2026

Borkenkäfer-Statistik in Franken & Bayern: Schadflächen und Befall im Überblick 2026

Der Borkenkäfer bleibt auch 2026 eines der größten Waldschutzprobleme in Bayern. Allerdings hat sich die Lage gegenüber den extremen Befallsjahren der vergangenen Jahre verändert: Die gemeldeten Schadholzmengen sind 2025 erneut deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig verschieben sich die regionalen Schwerpunkte.

Besonders auffällig ist die Entwicklung in Franken. Während frühere Jahre vor allem von massiven Befallsschwerpunkten in Nordbayern geprägt waren, verlagert sich das Schadgeschehen zunehmend nach Süden. Für 2026 bedeutet das keine Entwarnung, sondern eine neue regionale Risikoverteilung.

Borkenkäfer in Bayern 2026: Die wichtigsten Zahlen

Die aktuellen Zahlen der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) zeigen einen deutlichen Rückgang der Borkenkäferschäden:

Kennzahl Wert
Borkenkäfer-Schadholz 2025 rund 1,9 Mio. Erntefestmeter
Schadholz bis Ende September 2025 rund 1,5 Mio. Efm
Rückgang bis September gegenüber 2024 mehr als 50 %
Rückgang der Buchdrucker-Fangzahlen rund 1/3
Durchschnittlicher Fang 2025 rund 20.000 Käfer/Falle
Vergleichswert 2024 rund 31.000 Käfer/Falle
Monitoring-Standorte Bayern rund 130
Entwicklung 2026 regional weiterhin hohes Risiko

Die endgültige Jahresmenge für 2025 lag nach Abschluss der Meldungen bei rund 1,9 Millionen Erntefestmetern Schadholz. Damit verursachten Fichtenborkenkäfer auch 2025 mehr Schadholz als andere Schadursachen.

Wichtig ist dabei: Ein Erntefestmeter beschreibt eine Holzmenge und keine Waldfläche. Die häufig verwendete Bezeichnung „Schadfläche“ ist deshalb nicht direkt aus diesen Schadholzmengen abzuleiten.

Die gute Nachricht: Borkenkäferschäden sind zurückgegangen

2025 war bereits das zweite Jahr in Folge, in dem die Borkenkäferschäden in Bayern deutlich zurückgingen.

Bis Ende September wurden rund 1,5 Millionen Erntefestmeter Schadholz gemeldet. Das waren gut 50 Prozent weniger als im vergleichbaren Zeitraum 2024. Die endgültige Menge für das Jahr 2025 belief sich auf rund 1,9 Millionen Erntefestmeter.

Der Rückgang ist vor allem auf mehrere Faktoren zurückzuführen:

  • günstigere Witterungsbedingungen für die Fichten,
  • eine bessere Wasserversorgung in Teilen Bayerns,
  • konsequente Aufarbeitung befallener Bäume,
  • weniger verfügbares Brutmaterial,
  • geringere Ausgangspopulationen,
  • eine gute Verfügbarkeit von Aufarbeitungskapazitäten.

Die Entwicklung zeigt, dass konsequentes Waldschutzmanagement die Ausbreitung erheblich beeinflussen kann.

Warum trotzdem keine Entwarnung gilt

Trotz des deutlichen Rückgangs bleibt die Situation angespannt.

Die LWF weist darauf hin, dass 2025 erneut bis zu drei Generationen des Buchdruckers und bis zu zwei Geschwisterbruten bis in Höhenlagen von etwa 800 Metern möglich waren. Dadurch konnte sich regional weiterhin eine hohe Ausgangspopulation für die Saison 2026 entwickeln.

Das Problem lässt sich vereinfacht erklären:

Weniger Schadholz bedeutet nicht automatisch weniger Käfer im folgenden Jahr.

Wenn genügend Käfer überwintern und gleichzeitig warme, trockene Bedingungen auftreten, kann sich die Population innerhalb einer Vegetationsperiode wieder stark vergrößern.

Franken: Vom Hotspot zur Entspannung?

Franken war in den vergangenen Jahren eine der am stärksten vom Borkenkäfer betroffenen Regionen Bayerns.

Insbesondere der Frankenwald sowie Teile Ober- und Unterfrankens gehörten zu den klassischen Befallsschwerpunkten. Bereits 2024 lagen wichtige Hotspots im Norden Ober- und Unterfrankens.

2025 verbesserte sich die Situation in Nordbayern deutlich. Die LWF berichtet, dass die Schadholzmengen in den bisherigen Käfer-Hotspots Nordbayerns stark zurückgingen. Das Schadniveau lag dort inzwischen etwa auf dem Niveau zu Beginn der großen Kalamität im Jahr 2015.

Das ist eine deutliche Verbesserung, bedeutet aber nicht, dass Franken dauerhaft aus der Gefahrenzone heraus ist.

Frankenwald bleibt besonders interessant

Der Frankenwald ist stark von Fichtenbeständen geprägt. Damit besitzt die Region eine Baumartenzusammensetzung, die bei warmem und trockenem Wetter besonders anfällig für Borkenkäferbefall sein kann.

2025 war der Frankenwald zugleich ein Gebiet mit hohen Kupferstecher-Dichten. Die LWF berichtet, dass umfangreiche Resthölzer und Astmaterial aus früheren Borkenkäferaufarbeitungen zusätzliches Brutmaterial boten.

Damit zeigt sich eine Besonderheit des Waldschutzes: Auch nach der Entfernung befallener Bäume können Äste, Kronenteile und stärkeres Restholz für kleinere Borkenkäferarten relevant bleiben.

Das Schadgeschehen wandert nach Süden

Eine der wichtigsten Veränderungen für 2026 ist die regionale Verschiebung des Befalls.

Die LWF spricht ausdrücklich davon, dass das Buchdrucker-Schadgeschehen nach Süden wandert. 2025 übertraf der Süden Bayerns erstmals seit 2019 bei den absoluten Schadholzmengen den Norden und Osten.

Besonders betroffen waren Regionen, in denen die Fichten bereits durch andere Ereignisse vorgeschädigt waren.

Dazu zählen unter anderem Bereiche der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten:

  • Augsburg
  • Ebersberg-Erding
  • Holzkirchen
  • Rosenheim
  • Weilheim
  • Fürstenfeldbruck
  • Regensburg
  • Landau

Vor allem Hagel-, Sturm- und Schneebruchschäden aus den Jahren 2023 und 2024 spielten dabei eine Rolle.

Oberbayern erstmals größter Schadensschwerpunkt

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung in Oberbayern.

Nach Angaben der LWF wurden 2025 erstmals die höchsten Borkenkäfer-Schadholzmengen in Oberbayern gemeldet. Damit verschob sich der Schwerpunkt des Schadgeschehens deutlich weg von den traditionellen nordbayerischen Hotspots.

Für die Forstwirtschaft bedeutet das eine neue Herausforderung. Regionen, die lange Zeit weniger stark von der Borkenkäfer-Kalamität betroffen waren, müssen ihre Überwachung intensivieren.

Franken versus Südbayern: Zwei unterschiedliche Entwicklungen

Der regionale Vergleich lässt sich vereinfacht so zusammenfassen:

Region Entwicklung 2025 Bedeutung für 2026
Franken deutlicher Rückgang weiterhin aufmerksam beobachten
Frankenwald deutlich weniger Schadholz weiterhin anfällig
Bayerischer Wald starker Rückgang Ausgangspopulation beachten
Nordbayern deutliche Entspannung keine Entwarnung
Oberbayern Zunahme besonders aufmerksam
Schwaben regional zunehmend Vorschäden wichtig
Niederbayern regional zunehmend Befallskontrolle wichtig

Die LWF betont dabei, dass die Entwicklung stark von der Witterung abhängt. Besonders problematisch sind hohe Temperaturen in Verbindung mit Trockenheit.

Buchdrucker: Der wichtigste Fichtenborkenkäfer

Wenn in Bayern über Borkenkäferschäden gesprochen wird, steht meist der Buchdrucker im Mittelpunkt.

Der Buchdrucker befällt vor allem Fichten. Die Käfer bohren sich in die Rinde ein und legen dort Brutgänge an. Bei ausreichender Populationsdichte können gesunde oder bereits geschwächte Fichten überwältigt werden.

Die LWF verwendet beim Monitoring unter anderem einen Schwellenwert von 3.000 Buchdruckern pro Falle und Woche. Wird dieser Wert überschritten, kann dies auf ein erhöhtes Risiko für Stehendbefall hinweisen.

Das Monitoring ist deshalb ein wichtiges Frühwarnsystem.

2025 gingen die Fangzahlen deutlich zurück

Die durchschnittlichen Fangzahlen des Buchdruckers lagen 2025 bei rund 20.000 Käfern pro Falle.

2024 waren es noch rund 31.000 Käfer pro Falle. Damit ging die durchschnittliche Fangzahl um etwa ein Drittel zurück.

Dieser Rückgang passt zur Entwicklung der Schadholzmengen.

Allerdings darf auch diese Zahl nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist nicht nur der Durchschnitt über Bayern, sondern die Entwicklung einzelner Fallenstandorte und Regionen.

Kupferstecher nicht unterschätzen

Neben dem Buchdrucker spielt der Kupferstecher eine wichtige Rolle.

2025 waren beim Kupferstecher teilweise außergewöhnlich hohe Fangzahlen zu beobachten. Die LWF stellte an einzelnen Monitoringstandorten mehr als 30.000 Kupferstecher pro Falle und Woche fest.

Der Kupferstecher ist kleiner als der Buchdrucker und nutzt unter anderem dünneres Brutmaterial. Deshalb können Äste, Kronenteile und Restholz nach der Aufarbeitung relevant sein.

Besonders problematisch waren 2025 Resthölzer aus früheren Buchdruckerschäden. Auch vorgeschädigte Fichten durch Trockenheit, Hagel, Sturm oder Schneebruch können für den Kupferstecher attraktiv sein.

2026: Der Schwärmflug hat begonnen

Das bayernweite Borkenkäfermonitoring startete am 1. April 2026 mit rund 130 Monitoringstandorten. Dort werden Fangzahlen und Brutentwicklung erfasst, um die regionale Gefährdung möglichst früh zu erkennen.

Im Frühjahr wurde der Schwärmflug zunächst durch kühle Witterung gebremst. Mit steigenden Temperaturen setzte sich die Entwicklung fort. Im Juni erreichte die erste Jungkäfergeneration die Phase des Ausflugs.

Ende Juni berichtete die LWF, dass der Hauptschwärmflug der ersten Jungkäfergeneration bayernweit bis in Höhenlagen von 800 Metern stattfand. Gleichzeitig beschleunigte eine Hitzeperiode die Brutentwicklung.

Hitze und Trockenheit erhöhen das Befallsrisiko

Der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Borkenkäfer ist besonders wichtig.

Fichten können sich gegen einzelne Käferangriffe mit Harz wehren. Bei Trockenstress steht ihnen jedoch weniger Wasser zur Verfügung. Dadurch kann die natürliche Abwehrkraft sinken.

Genau diese Kombination zeigte sich im Juni 2026: Die LWF berichtete, dass Buchdrucker auf Fichten trafen, die durch Hitze und Trockenheit gestresst waren. Dadurch wurde der Neubefall erleichtert.

Für die kommenden Wochen und Monate sind deshalb Wetterentwicklung und Bodenfeuchte entscheidende Faktoren.

Wie groß sind die Schadflächen?

Bei Borkenkäferschäden wird häufig nach „Hektar Schadfläche“ gefragt. Die bayerischen Waldschutzstatistiken arbeiten beim Borkenkäfer jedoch wesentlich stärker mit Schadholzmengen in Erntefestmetern.

Das ist sinnvoll, weil ein Borkenkäferbefall nicht zwingend eine vollständig abgestorbene oder geräumte Fläche bedeutet. Einzelne Bäume können befallen sein, während der restliche Bestand stehen bleibt.

Deshalb sollten Angaben wie „1,9 Millionen Erntefestmeter Schadholz“ nicht direkt in eine bestimmte Hektarzahl umgerechnet werden.

Für eine seriöse Statistik ist es besser, Schadholzmenge, Befallsintensität, Baumart und regionale Verteilung getrennt zu betrachten.

Warum die Zahlen regional so stark schwanken

Borkenkäferbefall ist von zahlreichen Faktoren abhängig.

Eine zentrale Rolle spielen:

  1. Temperatur: Warme Bedingungen beschleunigen die Entwicklung der Käfer.
  2. Trockenheit: Wassermangel schwächt die Fichten.
  3. Baumart: Fichtenbestände sind besonders relevant.
  4. Vorschäden: Sturm, Schnee, Eisbruch und Hagel können Brutmaterial liefern.
  5. Bestandesstruktur: Dichte und Alter der Bestände beeinflussen das Risiko.
  6. Forstmanagement: Eine schnelle Aufarbeitung befallener Bäume kann die weitere Vermehrung begrenzen.
  7. Überwinterung: Die Ausgangspopulation im Frühjahr bestimmt wesentlich die Intensität des Schwärmflugs.

Deshalb kann sich die Lage innerhalb weniger Kilometer deutlich unterscheiden.

2026 bleibt die Überwachung entscheidend

Die LWF empfiehlt auch 2026 eine konsequente Befallskontrolle. Besonders in gefährdeten Fichtenbeständen muss auf typische Anzeichen geachtet werden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Bohrmehl an der Rinde,
  • Harzfluss,
  • abfallende Rinde,
  • Spechtaktivität,
  • Verfärbung der Krone,
  • absterbende Einzelbäume,
  • zunehmende Rotfärbung von Fichtenbeständen.

Bei frischem Befall kann Bohrmehl ein besonders wichtiger Hinweis sein. Die LWF weist darauf hin, dass es auch nach Regen an Rindenschuppen oder Aststummeln gefunden werden kann.

Was bedeutet die Statistik für Franken?

Für Franken ergibt sich 2026 ein ambivalentes Bild.

Einerseits hat sich die Situation in den traditionellen nordbayerischen Hotspots deutlich verbessert. Andererseits bleibt der Frankenwald aufgrund seiner Fichtenbestände und der hohen Käferbelastung der vergangenen Jahre ein Gebiet, das weiterhin genau beobachtet werden muss.

Die Entwicklung 2025 zeigt außerdem, dass sich die Gefahrenlage schnell verändern kann. Während Nordbayern Entspannung verzeichnete, nahm der Befall südlich der Donau zu.

Franken ist damit nicht mehr der alleinige Mittelpunkt der bayerischen Borkenkäfer-Krise.

Ausblick: Entscheidend wird das Wetter

Wie stark die Borkenkäferzahlen 2026 am Ende ausfallen werden, lässt sich im August noch nicht abschließend beurteilen.

Entscheidend sind insbesondere:

  • die Temperaturen im weiteren Sommerverlauf,
  • Niederschläge und Bodenfeuchte,
  • die Entwicklung weiterer Käfergenerationen,
  • Sturm- und Gewitterereignisse,
  • die Menge an verfügbarem Brutmaterial,
  • die Geschwindigkeit der Aufarbeitung befallener Bäume.

Die LWF betont deshalb, dass die weitere Befallsentwicklung stark von den Witterungsbedingungen abhängig ist.

Fazit: Weniger Borkenkäfer, aber neue regionale Schwerpunkte

Die Borkenkäferstatistik 2026 zeigt ein widersprüchliches Bild.

Einerseits sind die Schäden in Bayern deutlich zurückgegangen. Nach rund 3,8 Millionen Erntefestmetern im vergleichbaren Zeitraum 2024 wurden bis Ende September 2025 nur rund 1,5 Millionen Erntefestmeter gemeldet. Für das Gesamtjahr 2025 wurden schließlich rund 1,9 Millionen Erntefestmeter registriert.

Andererseits verschiebt sich das Schadgeschehen. Franken und der Bayerische Wald verzeichneten deutliche Rückgänge, während südlich der Donau die Schäden zunahmen. Erstmals seit 2019 übertraf der Süden Bayerns den Norden und Osten bei den absoluten Schadholzmengen.

Für 2026 bedeutet das: Die große Borkenkäfer-Krise ist nicht einfach vorbei. Sie verändert vielmehr ihre regionale Struktur.

Besonders die Kombination aus Fichtenbeständen, Vorschäden, Hitze und Trockenheit bleibt gefährlich. Gerade die Entwicklung im Sommer 2026 zeigt, dass warme und trockene Wetterphasen die Käferentwicklung schnell beschleunigen können.

Die wichtigste Zahl für Bayerns Wälder ist deshalb 2026 nicht allein die Menge des bereits entstandenen Schadholzes. Entscheidend ist vielmehr, ob es gelingt, die Ausgangspopulation zu begrenzen und neue Befallsherde rechtzeitig zu erkennen.

Quellen und weiterführende Informationen